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antville.org
 Samstag, 6. Oktober 2001 

Tom ist ein verdammt guter DJ!

Ausserdem hat er endlich die Bilder von Prag entwickeln lassen und schickt mir folgenden Scan eines Fotos aus der Kavarna Slavia.

kavarna slavia, prag

Das hinten intellektuell-nachdenklich bin ich, das im Vordergrund jugendlich-pfiffig ist Peter Pfister, zu dem wir heute nach Graz fahren, um Gerhards Abschied zu feiern. Gerhard tritt einen Job als Lehrbeauftrager an einer angesehenen Uni in einem krisengeschüttelten Land an - hier.

Gestern in der Künstlerhaus-Passage: Junge Menschen mit neuen Apple Laptops beobachtet, zunehmend frustriert an einer Animations-Aufgabe arbeitend, die sie mit Photoshop oder Director oder was weiss ich zu lösen hofften. Ich hätte ihnen die Lösung zuflüstern können: Den Computer nicht als Spachtel verwenden, sondern als programmierbares Gerät. Use your Lingo. Das scheint sich aber mit dem Selbstverständnis und Weltbild vieler junger "Künstler" nicht gut zu mischen. Je mehr ich drüber nachdenke, desto leider tut mir Tom Fürstner ob seines neuen Jobs als Professor an der Angewandten.

Behavioural Inheritance considered harmful: Ich stimme zu und vermeide Klassenhierarchien wie die Pest. Oder sagen wir wie eine Verkühlung. Im Hop gibt es keine einzige Anwendung von mehrstufiger Vererbung, gerade mal eine Kleinfamilie mit Papa (Action) und Kind (Template). Verhaltensvererbung ist auch etwas, das Java-GUI-Toolkits zu komplizieren pflegt. Richard Dale, der Autor der KDE Language Bindings meint im Interview zum Thema AWT und Swing: "It doesn't appeal to me because the subclassing and managment of event listeners looks clunky and doesn't make use of Java's dynamic runtime. Swing code appears to need 5 times as many classes and twice the bulk, yet offers less functionality, compared to Apple's Cocoa or Trolltech's Qt."

Gestern unterwegs ist mir ein Lied auf dieser alten Platte eingefallen, heute morgen bin ich sehr froh, dass ich wider Erwarten in meinem Regal gefunden habe: Simply Red, Picture Book.

Vorgestern habe ich gegenüber Katatonik den Verdacht geäussert, dass es mir möglicherweise schwerfällt, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich nicht persönlich kenne. Mittlerweile bin ich draufgekommen, dass wahrscheinlich nur das kleine Spiel vom Geben und Nehmen aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Oder aus den Angeln gefallen, sprich nicht mehr als das kleine Spiel aufgefasst, das gespielt werden muss, zu ernst genommen, zu weit ins Existenzzentrum gerutscht.

lnk + 1 cmt (goldchen)
 Freitag, 5. Oktober 2001 

DJ Tomsel aka Snivlem legt heute in der Künstlerhauspassage auf, und die Murmels haben ein Weblog.

Interview mit Peter Drucker, via David McCusker.

Vom Register kommen scharfe Schüsse auf GNOME: "The [alpha Version of GNOME 2.0] is accompanied by a note warning that this initial Alpha build "does not include anything of use to end users," which at least makes it consistent with all the previous versions of GNOME Desktop we've used. [...] But the KDE camp, which seems to extend its lead over GNOME with each major release - it's probably two years ahead now - has never been able to match the GNOME team's gift for publicity or political smarts."

lnk ~ cmt
 Donnerstag, 4. Oktober 2001 

Jetzt hab ich endlich Win2k auf dem Vaio zum stabil laufen gekriegt.

Dann hab mir gedacht ich installier schnell noch testweise die letzte SuSE bevor ich die Linux-Partitionen in NTFS umwandle, und what do you know: ich bin schockiert, verliebt, erschüttert. SuSE installiert und läuft auf dem Vaio wie ein Traum. Das letzte mal war es noch mühsam - Yamaha Soundkarte wollte nicht so richtig, Trackpad und USB-Maus waren mühsam zu konfigurieren. Diesmal alles selbst erkannt, supersanft, wie immer ohne Reboot.

Auf KDE 2.2 upgedated, das macht einen grossen Teil meiner Begeisterung aus. Konqueror 2.2 ist ein Traum. Flash, MP3-Streams und dergleichen laufen wie gehabt, CSS und DHTML noch einen Tick feiner als bei 2.1.2. Jetzt lad ich mir gerade 2.2.1 runter.

lnk ~ cmt
 Mittwoch, 3. Oktober 2001 

Michi Platzer hat eine sehr sehr coole Demo-App der neuen Art für Release 1.2 geschrieben. Ein dünner Script-and-Skin-Layer um das JavaMail-API - und schon hat man eine voll funktionale Web-Mail-Anwendung. Mehr, Download.

Gotta love it!

Gehorche Riesen! Sticker und Idee haben sich bei uns leider noch nicht so durchgesetzt.

obey

Yes yes well well, habe heute den Maler im Haus, Henso-Leser wissen bescheid, Wasserschäden ausbessern. Sehr netter Mann. Hat mich um halb acht aus dem Bett gerissen (gestern bis eins gearbeitet = zuwenig Schlaf) aber ich surfe und linke noch im Halbschlaf aus dem Bett. Jetzt ist alles verputzt, um 11 kommt er wieder und streicht drüber, daher Arbeit vorerst von zuhause. Würde gern schwimmen gehen in der Zwischenzeit, aber das geht sich nicht mehr aus, gerade mal ein externes Frühstück (in der Küche ist alles abgedeckt).

Gestern eine Wireless LAN-Karte für meinen anderen Laptop bestellt. Ich arbeite seit zwei Tagen fieberhaft daran, Windows 2000 darauf stabil zum Laufen zu bringen. Der Patient ist sehr krank, friert alle paar Minuten ein. Krankheitsgeschichte: Mit Windows 98 gekauft, weil Sony Win2k damals noch nicht angeboten/unterstützt hat, Win2k-Update gekauft, installiert, seit dem völlig unstabil, BIOS-Update, Treiber neu installiert, Software deinstalliert, Windows neu installiert, keine Besserung. Werde es heute wahrscheinlich mit einer totalen Neuinstallation incl. Festplattenformatierung probieren.

Verrückt: jetzt wo ich alle Daten backuppe läuft der Deckel wie geschmiert. Es scheint sogar die Installation von Service Pack 2 gut zu laufen, da ist er mir vorher 10.000 mal an der gleichen Stelle abgeschmiert. Muss wohl dran liegen dass ich die Schrift auf "klein" gestellt hab.

lnk + 2 cmt (hr, markusegg)
 Dienstag, 2. Oktober 2001 

"Freu dich mit Theo!" Das klingt für mich wie eine Stimme aus einer fernen, fremden Welt. Das Kennen und Gernhaben nicht nur des Patienten, sondern auch gleich noch des Chirurgen, ohne beide jemals getroffen zu haben: absurd. Seit langer Zeit der erste Hinweis dafür, dass in diesem Land immer noch das Konzept Krone regiert. Faszinierend aber auch wie gut man hier mittlerweile leben kann ohne zwischen medialer Verschmutzung und Eremitage zu pendeln. Mein Rezept für den Alltag: Keine Tageszeitungen (auch nicht "Qualitätszeitungen", auch nicht am Wochenende, das Ziel ist, die Verteiler auf der Strasse nicht als solche wahrzunehmen), kein Fernsehen, nur Internet, CDs, Bücher, Küche und Strasse. (Das "kein" ist natürlich nicht ein kategorisch verbietendes, sondern heisst soviel wie "nicht alltäglich".) Radio nur aus dem Netz, selten. Das wichtige daran ist, dass all das nicht Gesten des Verzichts sind, sondern Fragen der Kombination, der Mischung, des Geschmacks. Quasi nicht "ich trinke keinen Kaffee", sondern "ich trinke meinen Kaffee ohne Milch und mit eineinhalb Löffeln Zucker". Netz statt Fernsehen und Zeitungen ist nicht "ich verzichte auf euer Material", sondern "gebt mir die Beiträge, die Endregie (oder Endredaktion) mach ich ganz gern selbst".

Kaffee ohne Milch halte ich für gleich wichtig wie Nachrichten ohne Fernsehen. Allerdings erst seit kurzem - seit Sizilien, genau gesagt. Die Strasse nehm ich am liebsten zu Fuss oder per Mofette. Taxi und Öffentliche eher ungern, sprich nicht alltäglich.

lnk + 1 cmt (katatonik)
 Montag, 1. Oktober 2001 

Bon jour! Die mitteleuropäische Sonne, diese Sau, scheint so hell auf Wien, dass die Stadt selbst himmelblau-gelb leuchtet. Je weiter im Hintergrund, desto gelber und heller. Am Horizont ist es so hell, dass es blendet, und der Farbunterschied zwischen der letzten Hochhaussilhouette und dem angrenzenden Himmel ist nur mehr ein winziger, kleiner als vom letzten Hochhaus zum vorletzten. Aber sie leuchtet nur, die Sonne, wärmen tut sie nicht mehr bzw nicht mehr genug. Update: Ist ja doch ganz warm. Sorry für die Sau.

Gedanken zum mongolischen Boodog-Rezept (gestriges Posting ganz unten): Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn jede besser ausgestattete westliche Wohnung einen verfliesten Raum zum Schlachten von Ziegen und Schafen hätte. Man läedt Freunde zum Essen ein und aus einem Nebenraum der Küche hört man das vertraute Gemeckere und Geblöke. Dann bindet sich der Hausherr eine Gummischürze um und verschwindet für zehn Minuten. Das Blöken hört auf. Die Gäste sitzen derweil im Wohnzimmer und trinken und scherzen.

lnk ~ cmt
 Sonntag, 30. September 2001 

Hu?!? Consider me teased.

An unserem letzten Tag in Cefalú haben wir Hannes Stiebitzhofer getroffen. Er sass in einem Liegestuhl am Hotelpool nur wenige Meter vom Ort entfernt, an dem Herr Mkt Screen-Layouts für Euroranch Neu in sein Notizbuch kritzelte. Die Überraschung war gegenseitig.

Ich habe einen Sack voll Rotkappen im Kühlschrank und bin auf der Suche nach einem Rezept für heute abend. Es sollte einfach sein. Die weltbesten frischgemachten Tagliatelle mit Steinpilzen und panierten Schwammerln mit Knoblauchsauce gab es schon gestern bei K+F.

Danke für die zahlreichen Tipps. Die richtige Antwort war "Risotto".

Die Mongolei dürfte nicht nur landschaftlich, sondern auch essensmässig eines der kärgsten Länder dieser Welt sein. Ich war nie dort, aber meine Schwester berichtet, die Menschen dort kennen nicht mehr als 6 oder 7 Gerichte, von denen die meisten allerdings Festtagsessen sind. An normalen Tagen gibt es zum Frühstück, zu Mittag und am Abend fettes Hammelfleisch mit Haut und Haaren. Ausser Salz werden keinerlei Gewürze verwendet. Eine Nudelsuppe beispielsweise ist etwas besonderes. Allerdings kann es vorkommen, dass in den Nudeln Schamhaare kleben, was nicht angenehmer wird, wenn die Gastgeber wohlwollend beim Essen zuschauen und die einzigen Menschen im Umkreis von Meilen sind.

Angesichts solcher Unannehmlichkeiten relativiert sich das einzig schlimme das uns essensmässig in Sizilien passiert ist: eine Trattoria, die etwas besonderes sein wollte (jedenfalls hat sie das über ihre Preise signalisiert), deren Essen aber eher enttäuschend war. Der Betreiber mit seinem gepfelgten, graumelierten Bart machte auf Auskenner. Wenn ich mich mit ihm eingelassen hätte, hätte er das flachsige Fleisch wahrscheinlich mit biologischer Tierhaltung erklärt und das funghiforme Etwas, das auf der Karte als Steinpilze deklariert war mit lokalen oder saisonalen Gegebenheiten.

Gestern bei der Eröffnung des Zoom Kindermuseums fragte ein Kinder-Entertainer die versammelte Kinderschar, wie man "die Menschen nennt, die am Nordpol leben". Darauf erklärte ein zirka zehnjähriger Knirps aus dem Publikum über das hingehaltene Mikrofon, dass diese Menschen nicht Eskimos, sondern Inuit genannt werden wollen. Das war relativ neu für mich, und ich war dementsprechend baff. Ich versuchte mir vorzustellen, wie das Kind gelernt hatte, dass man die Eskimos Inuit nennen soll, von den Eltern oder in der Schule.

Was mir aber als schräg ins Auge sprang war der Gegensatz zwischen der Anstrengung, die korrekte Bezeichnung für diese Menschen zu erklären und ihre absurd falsche Umschreibung als "Menschen, die am Nordpol leben". Ich schätze dass die Strenge des Umlernens auf der einen Seite die lustige Lockerheit auf der anderen erforderlich macht (unterhaltungstechnisch). Fragt sich ob die Inuiten als "Menschen, die am Nordpol leben" beschrieben werden wollen.

Eskimo heisst übrigens in der Sprache eines anliegenden Indianerstammes soviel wie "Rohfleischesser". Der Kinder-Entertainer meinte, dass die Menschen dort oben zwar rohes Fleisch essen mögen, aber trotzdem nicht so genannt werden wollen. Sonst könnten sie im Gegenzug ja auch die unter uns, die zufällig gern Spaghetti essen, Spaghetti-Esser nennen. Prinzipiell handle es sich aber um nette Menschen, sagte er.

Mongolian Cuisine, Mongolian Meat Dishes. "Let's make a goat boodog. First of all you need to kill the goat. We will typically hit the goat with an axe between the antlers and then cut his throat. When the goat dies, remove the head and hang the goat. Once the carcass is hung, you need to strip the skin off very carefully. Don't make any holes in the skin. When you have striped the skin to the knee on the 2 forelegs stop. Leave the skin attached there."

Don't try this at home. Und wenn dann nur in einem ausgefliesten Raum.

Das Sissi Kafe Hause in Ulaanbaatar - sicher eine interessante Erfahrung.

lnk + 2 cmt (stefan, kris)

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