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 Sunday, 3. June 2001 

Hier bin ich in Tokyo und alles was ich tun will ist im Park sitzen und lesen. Und ab und zu ein T-Shirt kaufen gehen, zwischendurch.

Gestern vormittag hab ich mich mit der U-Bahn verfahren. In den Expresszug eingestiegen, der nicht in Daikanyama hält, wo das Symposium stattfand. Dann in die Gegenrichtung nochmal den Expresszug erwischt. Schliesslich war ich dann aber noch rechtzeitg in Daikanyama, um für meinen Bruder die Slides zu switchen.

Am abend dann zum ersten mal einen Sitzplatz in der U-Bahn ergattert, wobei ich ein leises Zugehörigkeitsgefühl spürte. Obwohl auf dem Platz, den ich beanspruchte, mindestens zwei Japaner hätten sitzen können. Japaner sitzen in der U-Bahn auf Körperkontakt, es ist auch nichts dabei, sich in eine 15 Zentimeter breite Sitzlücke zu pferchen. Ich hatte dauernd Angst, dass sich noch jemand links oder rechts neben mich reinklemmen würde. Wahrscheinlich weil ich Europäer bin blieb es aber bei den leicht vorwurfsvollen Blicken.

Das U-Bahn-Ticketsystem ist sehr ok hier. Es gibt grosse Tables, auf denen die Fahrpreise vom aktuellen Standort zu den einzelnen Destinations angezeigt werden - meistens zwischen 110 und 190 Yen, also so um die 20 Schilling oder darunter. Man kauft dann am Automaten eine Karte, die man am Eingang in eine Schrankenmaschine steckt. Die Maschine spuckt die Karte wieder aus und lässt einen passieren. Am Zielort steckt man die Karte dann in eine ebensolche Schleuse, diesmal wird die Karte geschluckt und man selbst in die Freiheit entlassen. Es sei denn man hat zuwenig gezahlt: in diesem Fall ist ein "Fare Adjustment" von Nöten. Neben dem richtigen Preis muss man auch darauf achten, das Ticket bei einem Automaten des U-Bahn-Betreibers zu lösen, dessen Dienste man in Anspruch zu nehmen gedenkt.

Angeblich gibt es die (ohnehin spärliche) Beschriftung der U-Bahn-Stationen in lateinischen Zeichen erst seit zwei Jahren.

Seit gestern geht mir die Möglichkeit durch den Kopf, längere Zeit hier zu verbringen. Das schöne an meiner Arbeit ist ja, dass man sie von überall aus machen kann.

Wenn japanisch nur nicht so schwierig wäre! Raphael meint, man hat am Anfang ziemlich schnell Erfolgserlebnisse, wenn man die ersten Wörter versteht und die Silbenschriften Hiragana und Katakana lesen lernt. Dann wird es aber wird es sehr sehr zäh mit all den Kanji-Zeichen und der komplexen Syntax. Ich kenne derzeit nur das Zeichen für Tee: ein Dach, darunter ein Kreuz mit zwei Tränen, darüber ein Doppelkreuz (oder, je nach Schreibstil, zwei getrennte kleine Kreuze). Für diejenigen mit Kanji-Support ist es Unicode-Zeichen Nr. 33590: . Aussprechen tut man es "cha", aber das Wort kommt nie alleine vor, sondern immer mit einem Tee-Qualifier, z.B. ryoku cha, 緑茶, grüner Tee. Allerdings ist das alles gar nicht wichtig, wenn man den Tee so wie ich nur aus Dosen trinkt, die man von den allgegenwärtigen Automaten bezieht. Ich kenne das Zeichen eigentlich nur, um den Tee von den anderen teilweise recht absurden Getränken unterscheiden zu können.

Mehr zum Thema Tee vom eher traditionalistischen Standpunkt.

Der grüne Tee schmeckt hier übrigens viel intensiver als alles, was man bei uns so kriegt. Man braucht ein paar Dosen, um sich daran zu gewöhnen.

Bilder: Welcome to Japan, street crossing in front of Shibuya station, waiting in line for train, inside subway train, youth hair style, Yoyogi reading station, elder man, shouting potato, one-eyed i-mode girl, bikeschool dwellers, bikeschool families, bikeschool kid, jogging man, dancing not allowed for dogs and cats, Bart laughing at Yoko Ono, Akihabara Electric Town, backstreet scene, nice balcony, backstreet cables, system overload, delivery service car, ballet school 17 floors below us, pool exhibition zone at Hillside Gallery.


 tf , 3. June 2001 gegen 13:23 

Hannes: wirklich wunderschön dein reise-blog. und bitte, bitte noch mehr bilder!

 katatonik , 3. June 2001 gegen 14:00 

beeindruckend, was du da so alles machst!
da assoziiere ich sofort das buch "tokyo style" von dem fotografen kyoichi tsuzuki, worin er jede menge tokyoter wohnungen fotografiert hat - ein höchst amüsantes, verwirrendes und teilweise auch deprimierendes panoptikum des gedrängten lebensstils. einige davon sieht man hier.
tsuzuki hat auch einen fotoband mit dem titel "roadside japan" veröffentlicht, in dem er etwas abseitige und in jedem fall in (für den japanischen oder auch für den ausländischen touristenmarkt produzierten) üblichen japan-fotobänden nicht sichtbare dinge fotografierte, wie etwa einen tempel irgendwo bei okayama, wo schlächter die nasenringe von kühen darbringen und somit haufen von kuhnasenringen rumliegen. ich hab ja mein exemplar von "roadside japan" leider verschenkt - solltest du in deinem reisegepäck noch ein bisserl platz haben, hannes, wäre es echt super, wenn du mir eins mitbringen könntest. natürlich nur, wenns keinen stress macht. bittedanke, k.

 hns , 4. June 2001 gegen 2:08 

Roadside Japan ist schon lokalisiert (Parco Bookshop), wird jetzt gleich nach dem Frühstück gekauft!

Allzuviele Fotos wird's wohl nicht mehr geben, ich bin nicht allzu viel fotografierend rumgerannt. Heute ist unser letzter Tag, ich fahr mit meinem Bruder nach Yokohama zur Lecture. Dort werde ich sicher noch ein bissl rumknipsen.

 katatonik , 4. June 2001 gegen 2:35 

superb! innigster dank.

 pimi , 4. June 2001 gegen 11:30 

Das Katzenlogo auf den Transport-LKWs hat mich damals in Japan auch fasziniert - und ueberhaupt die Gabe der Japaner, alle Strassenschilder in lustige Comics zu verwandeln. Viel Spass noch euch beiden!

 earl , 4. June 2001 gegen 21:42 

erinnert nur mich diese u-bahn system schilderung an das londoner system? anyway, ein herzliches danke fuer die schoenen schilderungen der letzten tage.

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