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Mozilla, baby!

antville.org
 Wednesday, 20. February 2002 

Vor ungefähr sechs Jahren habe ich in einer ganznächtigen Nebelaktion Linux auf dem damals einzigen Büro-PC bei Nofrontiere installiert. Nachdem ich wieder ausgeschlafen war habe ich den Rechner als Webserver ins lokale Netz gestellt und allen einen Account darauf eingerichtet. Für ein paar Tage brach darauf bei den Nofros der Webfrühling aus. Die Leute fingen an, wie verrückt an ihren Seiten zu basteln. Seriös, dadaistisch, abstrakt, bunt oder monochrom - zum ersten mal hatten sie die Möglichkeit, das WWW, das sie bis dahin nur über den 14-Zoll-Monitor von Marthas lahmen Sekratariatsrechner kannten, in erster Person und mit ganzer Bandbreite zu erleben. Leider befand das Management bald darauf, dass das Internet für die Unternehmensziele nicht relevant sei und die Mitarbeiter ihre wertvolle Zeit damit vergeuden würden. Das war das Ende meiner Arbeit bei Nofrontiere (obwohl ich mich noch für das eine oder andere Projekt einspannen liess), aber es war der Anfang meiner Liaison mit Linux.

Seit damals habe ich viele Linuxe installiert: auf meinem Butterfly Thinkpad, zusammen mit Robert auf dem ersten Linux-Server bei ORF on oder zuletzt auf meinem Vaio-Laptop, der jetzt tot auf meinem Tisch liegt und auf Abholung wartet. Und immer (oder jedenfalls immer, wenn es um etwas ging) handelte es sich um SuSE Linux. Was ich sagen will: SuSE hat mich auf meiner gesamten "Karriere" begleitet und war bei jedem Meilenstein dabei. Ich bin der Firma extrem verbunden. Oder besser gesagt ich war es.

Das Problem, das ich mit SuSE habe ist nicht technischer Natur. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass SuSE eine der besten Distributionen ist. Auf dem Vaio hat SuSE 7.2 zuletzt alles selbst richtig erkannt und eingerichtet - von der Soundkarte über das Powermanagement zu USB, Netwerkkarte und Grafik. SuSE war meines Wissens auch die erste Distribution, die Support für Compaq Smart Array RAIDs standardmässig in den Kernel gebacken hat, was gut ist wenn man wie ORF on ein paar Racks mit Proliants sein eigen nennt. Nein, technisch habe ich an SuSE nicht viel auszusetzen, auch wenn das vielleicht nur daran liegt, dass ich mich im Gegensatz zu P3k an die Macken gewöhnt habe.

Mein Problem mit SuSE hat mit der Wand zu tun, die sie zwischen sich und ihren Kunden aufgestellt haben. Am Anfang war SuSE anders. Es ging darum, Leuten dabei zu helfen, Linux zu benutzen. Man versuchte nicht, die Eigenheiten und Unzulänglichkeiten des Systems zu kaschieren. Man war sogar irgendwie stolz darauf. SuSE lernte und gab es zu. Und SuSE war locker, jedenfalls für eine deutsche Firma. In den Handbüchern waren persönliche Töne raushören. Es gab keinen unternehmensweiten Kommunikationsstil, oder er hatte sich einfach noch nicht durchgesetzt. Im Lauf der letzten zwei Jahre hat sich das geändert. SuSE möchte heute so sein wie Microsoft, oder noch schlimmer: wie Oracle. SuSE möchte seriös wirken, einheitliche Produkte anbieten und mit einer einheitlichen Unternehmensstimme sprechen. Das Problem ist nur, dass dabei eine riesige Menge an Informationen nicht mehr zu den Menschen gelangt, die sie brauchen würden. Das Problem ist auch, dass das Prdukt dadurch stagniert, weil Feedback nicht mehr ankommt oder ignoriert wird. Man will sich keine Fehler mehr erlauben und nimmt deshalb den Weg des geringsten Risikos: die Imitation des Marktführers. Leider ist das auch der Weg geringsten Distinktion. Wenn ich wirklich ein homogenisiertes, langweiliges Betriebssystem mit einer geschlossenen Informationspolitik im Hintergrund wollte, hätte ich mir viel Mühe sparen und bei Windows bleiben können.

Jedenfalls habe ich gestern auf meiner zukünftigen Kiste Mandrake Linux installiert. Mandrake hat einen offenen Entwicklungsprozess. Mandrake ist in technischer Hinsicht 1A. Mandrake ist angenehm wo SuSE kompliziert ist. Mandrake nimmt Spenden an, obwohl MandrakeSoft an der Börse notiert. Und Mandrake schafft es zu kommunizieren. Hoffentlich bleibt das noch ein paar Jahre lang so.

PS: Einziges Problem bisher: Kein pico in der Standardinstallation! Aber das krieg ich auch noch hin.

PPS: Ich wünsche SuSE trotzdem viel Glück bei der Sache mit dem Bundestag.

Was ganz anderes: Ich bin für die Einführung einer menschenzentrierten Meteorologie. Konkret geht es mir um die Abschaffung des Ausdrucks "(viel) zu mild für die Jahreszeit". Hey, es kann nie (viel) zu mild für irgendeine Jahreszeit sein! Wenn es den Pflanzen nicht passt sollen sie doch rauf gehen in den Norden! (Sorry Pflanzen, war nur ein Scherz.)


 funzel , 20. February 2002 gegen 13:20 

Ich schliesse mich der Forderung nach menschenzentrierter Meteorologie an. So sollte es hier nicht heissen: Zu kalt fuer diese Jahreszeit (ha, es liegt hier Schnee) sondern Schweinekalt !

 p3k , 20. February 2002 gegen 14:02 

du findest, dass suse eine wand zwischen sich und die user aufgestellt haben, und gleichzeitig vermisst du pico mit einer wand-ähnlichen lizenz?

(lösung: nimm nano und mach nen symlink)

übrigens hab ich nichts gegen suse distributionen. i just like it better when they're not around.

ps. sagst du auch "mondrakk"?

 funzel , 20. February 2002 gegen 14:17 

pico ? nano ? richtige editoren haben nur 2 buchstaben.

 hns , 20. February 2002 gegen 14:18 

Ich wusste da war was mit der Lizenz. Merci für den Tip. Ich glaube ich kann mich an nano gewöhnen.

Ich sagte bisher mändreik, schätze ich oute mich damit als Ignoreanten?

Funzel: I tend to get lost in richtigen Editoren ;-)

 p3k , 20. February 2002 gegen 14:28 

...und richtige weblogger haben nur 3, funzel?

ich sag auch mändreik, aber das ding kommt ja von der grande nation und es klingt eigentlich ganz hübsch so mit gespitzten lippen...

 roland , 20. February 2002 gegen 17:15 

Humidex and Windchill Calculator:
http://www.physlink.com/Reference/Weather.cfm

 p3k , 20. February 2002 gegen 20:53 

schaut mal. das war mein erster bescheidener beitrag zum internet – dürfte auf besagtem server gewesen sein(?). komisch, sieht aus wie eins dieser weblogdinger, von denen hier immer die rede ist... (das fehlende spacer.gif hab ich aus authentizitätsgründen so gelassen).

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